Behandeln Sie Krebspatienten sanfter

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Natürliche Behandlung für Eierstockkrebs (Kann 2019).

Anonim

Es dauert oft Jahre, bis neue Verfahren zur Behandlung von Krebs im klinischen Alltag eingesetzt werden können. Zuvor durchlaufen sie zahlreiche Studien, in denen Ärzte und Forscher die Wirksamkeit und Sicherheit des Verfahrens unter aktiver Beteiligung der betroffenen Patienten überprüfen. Die Verbesserung der Qualität von Krebsbehandlungen durch neue Methoden ist das Ziel des dänisch-deutschen Forschungsprojekts "InnoCan: Innovative Hochtechnologie-Krebsbehandlung Dänemark-Deutschland". Bis Ende 2018 werden die Klinik für Strahlentherapie der Universität Kiel (CAU) und das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) an dem Projekt mit einem Gesamtbudget von 4, 27 Millionen Euro beteiligt sein. Die Förderung für das Projekt am Standort Kiel beträgt knapp 460.000 Euro. InnoCan wird von Interreg Deutschland-Dänemark mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert.

Das vor einem Jahr in Deutschland und Dänemark gestartete Projekt InnoCan konzentriert sich auf den Einsatz innovativer technischer Geräte, die künftig zu einer schonenderen Behandlung von Krebspatienten führen sollen. An der Klinik für Strahlentherapie in Kiel werden zu diesem Zweck klinische Studien in einem deutsch-dänischen Testzentrum durchgeführt, erste Ergebnisse liegen bereits vor. Darüber hinaus testeten Forscher in Naestved (Dänemark) und Lübeck ein Gerät zur Messung von Vitalfunktionen. Der Test wird bald in Kiel fortgesetzt. Das Gerät misst die Körpertemperatur sowie Atmung und Herzfrequenz, die über Bluetooth auf einem Tablet abgelesen werden können. Auf diese Weise kann das medizinische Personal beispielsweise die Vitalzeichen der Patienten während der Nacht überprüfen, ohne sie zu stören.

Ein ähnliches Prinzip funktioniert für Geräte, die das Bluttesten zu Hause erleichtern sollen. Sie messen den Hämoglobinwert in Kombination mit der Überprüfung der Anzahl der weißen Blutkörperchen. So können Ärzte im Vorfeld - basierend auf den zu Hause gemessenen Blutwerten - entscheiden, ob die Patienten bereit sind für ihre nächste Chemotherapie im Krankenhaus, um unnötige Wege dorthin zu vermeiden. Aufwand und Unannehmlichkeiten für schwerkranke Patienten könnten so langfristig reduziert werden. "Dies ist besonders interessant für ältere Krebspatienten oder für Länder wie Dänemark, wo die Entfernung zum nächsten Krankenhaus oft ziemlich weit ist", sagte Kirsten Seger, Koordinatorin des InnoCan-Projekts in Deutschland. Die dänischen Projektpartner testen das Gerät bereits. Im Laufe des Jahres sollen auch in Kiel die Tests beginnen, zunächst mit stationär aufgenommenen Patienten.

"Angesichts des zunehmenden Alters der Gesellschaft ist zu erwarten, dass die Anzahl der Krebspatienten steigt. Um die Qualität der Behandlung zu verbessern, bedarf es jedoch besonderer Anstrengungen bei der klinischen Erprobung neuer Verfahren. Mit InnoCan wir wollen nicht nur anwendungsorientierte Forschung, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen unterstützen ", sagte Jürgen Dunst, Professor für Strahlentherapie an der Medizinischen Fakultät der CAU und Direktor der Klinik für Radioonkologie. Bis zu vier Unternehmen sollten ihre innovativen Medizinprodukte in den teilnehmenden Kliniken klinisch testen können, so Dunst weiter. "Vor allem junge Mediziner profitieren von der engen Zusammenarbeit, indem sie von Patienten, Ärzten und Pflegepersonal Feedback bekommen, wie sie ihre Produkte weiterentwickeln können", erklärt der Strahlentherapeut, der den Kiel-Teil des Projekts leitet. Darüber hinaus unterstützen die dänischen und deutschen Projektpartner die teilnehmenden Unternehmen bei ihren Vorbereitungen für klinische Tests auf beiden Seiten der Grenze. "In dieser Hinsicht ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den dänischen Partnern besonders wertvoll", erklärte Dunst. Insgesamt zehn deutsche und dänische Partner beteiligen sich an dem Projekt unter der Leitung des Zealand University Hospital in der dänischen Stadt Naestved.

Die Kieler Abteilung für Radioonkologie ist auch an der Untersuchung eines selbstklebenden Wundpflasters beteiligt. Es soll Hautreaktionen verhindern, die bei Strahlentherapie von Kopf-Hals-Tumoren auftreten können. In einer weiteren Studie hoffen die Wissenschaftler, die Behandlungszeit für Patienten mit vertebralen Metastasen durch hochpräzise Strahlentherapieverfahren zu verkürzen. In enger Zusammenarbeit mit den dänischen Projektpartnern werden die Grundlagen für weitere Studien zur Verbesserung der Behandlung von metastasierendem Brustkrebs und Prostatakrebs gelegt.