LSD verwischt Grenzen zwischen der Erfahrung von Selbst und anderen

Anonim

LSD reduziert die Grenzen zwischen der Erfahrung des Selbst und anderen und beeinflusst dadurch soziale Interaktionen. Forscher der Universität Zürich haben jetzt herausgefunden, dass der Serotonin 2A Rezeptor im menschlichen Gehirn an diesen miteinander verflochtenen psychologischen Mechanismen kritisch beteiligt ist. Dieses Wissen könnte zu neuen Therapien für psychiatrische Erkrankungen wie Schizophrenie oder Depression beitragen.

Praktisch alle psychischen Störungen haben Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich langfristig negativ auf das Fortschreiten der Krankheit auswirken. Die damit verbundenen gesundheitlichen und sozialen Restriktionen können durch die derzeitigen Therapieformen nur marginal verbessert werden. Einer der Gründe dafür ist, dass die grundlegenden neurobiologischen Prinzipien und insbesondere die neurochemischen Mechanismen dieser Art von Störungen sehr wenig erforscht wurden. Ein weiteres Symptom verschiedener psychiatrischer Störungen sind Verzerrungen der Selbsterfahrung. Menschen mit psychischen Störungen zeigen oft entweder ein aufgeblasenes oder geschwächtes Selbstgefühl.

Forscher der Universitätsklinik für Psychiatrie Zürich haben nun die Zusammenhänge zwischen Veränderungen im Selbstverständnis und Veränderungen der sozialen Interaktion sowie den pharmakologischen Mechanismen untersucht, die bei diesen Prozessen eine Rolle spielen.

"LSD verwischt in sozialen Interaktionen die Grenzen zwischen dem eigenen Selbst und anderen", erklärt Katrin Preller. Sie leitete das Forschungsteam der Gruppe Neuropsychologie und Hirnbildgebung zusammen mit Prof. Franz Vollenweider und kooperierte mit dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München an der Studie. Während sie in einem Magnetresonanztomographen lagen, kommunizierten die Studienteilnehmer mit einem virtuellen Avatar mittels Augenbewegungen, nachdem ihnen ein Placebo, LSD oder LSD in Kombination mit Ketanserin verabreicht worden war.

Veränderungen in der sozialen Interaktion

"Damit konnten wir zeigen, dass Hirnregionen, die für die Unterscheidung zwischen Selbst und Anderen wichtig sind, unter dem Einfluss von LSD weniger aktiv waren", sagt Preller. "Und das hat auch die sozialen Interaktionen verändert." Die Forscher konnten auch zeigen, dass die LSD-induzierten Veränderungen durch Ketanserin blockiert wurden, was darauf hinweist, dass der Serotonin 2A-Rezeptor (5-HT2A-Rezeptor) eine entscheidende Rolle bei diesem Mechanismus spielt.

Ansätze für neue Medikamente

Diese Ergebnisse zeigen, dass Selbsterfahrung und soziale Interaktion eng miteinander verbunden sind. Unterschiedliche Beeinträchtigungen dieser ineinandergreifenden Prozesse könnten das Ergebnis eines beeinträchtigten Transfers von Informationen sein, die durch das 5-HT2A-Rezeptorsystem vermittelt werden. Dies könnte für die Entwicklung neuer pharmakologischer Therapien wichtig sein. Zum Beispiel könnte die Blockierung dieses Rezeptors bei Patienten, die an einem inkohärenten Gefühl des Selbst wie Schizophrenie leiden, ihre Symptome sowie ihre sozialen Fähigkeiten verbessern. Auf der anderen Seite könnte die Stimulation dieses Rezeptors Patienten helfen, die unter einer erhöhten Selbstfokussierung leiden, wie es beispielsweise bei Depressionen der Fall ist.