Die Höhe beeinflusst das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs

Wie Adipositas beeinflusst Ihre Gesundheit (Juni 2019).

Anonim

Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und der Harvard School of Public Health beschreiben in der Fachzeitschrift The Lancet Diabetes & Endocrinology das Verhältnis des weltweiten Höhenwachstums zur Entwicklung von führenden chronischen nicht übertragbaren Krankheiten. Große Menschen haben ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes, aber ein höheres Risiko für Krebs. Die Autoren diskutieren, welche Ernährungsfaktoren und andere Mechanismen diese Assoziationen erklären können.

Die Körpergröße ist weitgehend genetisch bedingt, aber in den letzten Jahrzehnten hat die Zahl der Kinder und Erwachsenen auf der ganzen Welt stetig zugenommen: Im Erwachsenenalter sind die Kinder fast immer deutlich größer als ihre Eltern. Die größte Zunahme der Höhe in den letzten Jahrzehnten ist in den Niederlanden zu finden. Niederländische Männer sind jetzt 20 cm größer als vor 150 Jahren. Interessanterweise ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Milch und Milchprodukten in den Niederlanden der höchste der Welt.

Diese Beobachtungen führten die DZD-Wissenschaftler Professor Norbert Stefan und Professor Hans-Ulrich Häring von der Abteilung für Innere Medizin IV in Tübingen und dem Institut für Diabetesforschung und Stoffwechselerkrankungen des Helmholtz Zentrums München an der Universität Tübingen (IDM) und Professor Matthias Schulze von das Deutsche Institut für Ernährungsforschung in Potsdam (DIfE), in Zusammenarbeit mit Professor Frank Hu von der Harvard School of Public Health und Medical School in Boston, USA, um die Ursachen und medizinischen Auswirkungen dieser Zunahme zu analysieren.

Die Höhe beeinflusst das Risiko der großen nicht übertragbaren Krankheiten

Die Studie zeigt, dass Höhe einen wichtigen Einfluss auf die Sterblichkeit bei bestimmten Volkskrankheiten hat, unabhängig von der Körperfettmasse und anderen modulierenden Faktoren. Frühere Studien haben deutlich gezeigt, dass große Menschen im Vergleich zu kurzen Menschen ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes haben, aber ein höheres Krebsrisiko haben. "Epidemiologische Daten zeigen, dass das Risiko kardiovaskulärer Mortalität pro 6, 5 cm Körpergröße um sechs Prozent abnimmt, die Krebssterblichkeit hingegen um vier Prozent steigt", sagte Professor Schulze.

Mehrere Ursachen werden vermutet

Die Autoren vermuten, dass die Zunahme der Körpergröße ein Indikator für die Überernährung kalorienreicher Nahrung ist, die reich an tierischem Protein während verschiedener Wachstumsstadien ist. Somit könnte bereits in utero eine lebenslange Programmierung stattfinden, die bisher hauptsächlich für den insulinähnlichen Wachstumsfaktor 1 und 2 und das IGF-1/2-System etabliert wurde. Die Aktivierung dieses Systems führt unter anderem dazu, dass der Körper empfindlicher auf die Insulinwirkung reagiert und somit den Fettstoffwechsel positiv beeinflusst. "Dementsprechend zeigen unsere neuen Daten, dass große Menschen empfindlicher auf Insulin reagieren und einen niedrigeren Fettgehalt in der Leber haben, was ihr geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes erklären könnte", fügte Professor Stefan hinzu. Diese Ergebnisse passen zu veröffentlichten Daten, die nahe legen, dass große Menschen einen relativen Schutz gegen Störungen des Fettstoffwechsels haben. Diese Aktivierung des IGF-1/2-Systems und anderer Signalwege könnte jedoch mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebsarten, insbesondere Brustkrebs, Darmkrebs und Melanom, in Zusammenhang stehen, da das Zellwachstum permanent aktiviert ist, vermuten die Autoren. Das Ergebnis ist eine inverse Assoziation mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes, aber eine positive Assoziation mit dem Krebsrisiko.

Schlussfolgerung: Bei der Prävention sollte mehr Wert auf die Höhe gelegt werden

Die Wissenschaftler plädieren dafür, das Faktorwachstum und die Adultengröße bei der Prävention der oben genannten schweren Erkrankungen stärker als bisher zu berücksichtigen. Insbesondere sollten Ärzte darauf aufmerksam gemacht werden, dass große Menschen - obwohl seltener von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes betroffen - ein erhöhtes Krebsrisiko haben. Bisher wurde die Bedeutung der Ernährung insbesondere in der Schwangerschaft und bei Kindern und Jugendlichen unterschätzt.