Kindheitstraumata hinterlassen Spuren auf der DNA einiger Opfer

Kindheitstraumata hinterlassen Spuren auf der DNA einiger Opfer

Medical Detectives - Pfad der Wahrheit (April 2019).

Anonim

Missbrauchte Kinder haben ein hohes Risiko für Angst- und Gemütsstörungen, da traumatische Erfahrungen dauerhafte Veränderungen ihrer Genregulation induzieren. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München haben jetzt zum ersten Mal dokumentiert, dass genetische Varianten des FKBP5-Gens epigenetische Veränderungen in diesem Gen beeinflussen können, die durch frühes Trauma ausgelöst wurden. Bei Personen mit einer genetischen Prädisposition führt ein Trauma zu langfristigen Veränderungen der DNA-Methylierung, was zu einer dauerhaften Dysregulation des Stresshormonsystems führt. Dadurch sind die Betroffenen weniger in der Lage, Stresssituationen während ihres gesamten Lebens zu bewältigen, was häufig zu Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen oder Angststörungen im Erwachsenenalter führt. Ärzte und Wissenschaftler hoffen, dass diese Entdeckungen zu neuen Behandlungsstrategien führen, die auf die individuellen Patienten zugeschnitten sind, und dass die Öffentlichkeit stärker dafür sensibilisiert wird, Kinder vor Traumata und deren Folgen zu schützen.

Viele menschliche Krankheiten entstehen durch die Interaktion einzelner Gene und Umwelteinflüsse. Traumatische Ereignisse, insbesondere in der Kindheit, sind ein hohes Risiko für die Entstehung psychiatrischer Erkrankungen im späteren Leben. Ob der frühe Stress tatsächlich zu einer psychiatrischen Störung führt, hängt jedoch weitgehend von seiner genetischen Veranlagung ab.

Forschungsgruppenleiterin Elisabeth Binder vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie untersuchte die DNA von fast 2000 Afro-Amerikanern, die als Erwachsene oder in der Kindheit wiederholt und schwer traumatisiert worden waren. Ein Drittel der Traumaopfer war krank geworden und litt nun an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Das Risiko, eine posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln, stieg mit zunehmender Schwere des Missbrauchs nur bei Trägern einer spezifischen genetischen Variante im FKBP5-Gen. FKPB5 bestimmt, wie effektiv der Organismus auf Stress reagieren kann und reguliert damit das gesamte Stresshormonsystem. Die Wissenschaftler hofften, Licht auf die Mechanismen dieser Gen-Umwelt-Interaktion zu werfen, indem sie Veränderungen der DNA-Sequenz von Opfern, die nicht erkrankt waren, mit denen von Betroffenen verglichen.

Die Münchner Max-Planck-Wissenschaftler konnten dann zeigen, dass die genetische FKBP5-Variante auch in Nervenzellen einen physiologischen Unterschied zu den Betroffenen macht. Extremer Stress und die damit verbundenen hohen Konzentrationen von Stresshormonen bewirken eine sogenannte epigenetische Veränderung. Zu diesem Zeitpunkt wird eine Methylgruppe von der DNA abgespalten, was zu einem deutlichen Anstieg der FKBP5-Aktivität führt. Diese anhaltende epigenetische Veränderung wird hauptsächlich durch Kindheitstraumatisierungen hervorgerufen. Folglich wurde keine krankheitsbedingte Demethylierung des FKBP5-Gens bei nur im Erwachsenenalter traumatisierten Teilnehmern festgestellt.

Torsten Klengel, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, erklärt die Ergebnisse der Studie wie folgt: "Je nach genetischer Veranlagung kann ein Kindheitstrauma permanente epigenetische Markierungen auf der DNA hinterlassen, die die FKBP5-Transkription weiter unterdrücken permanente Dysregulation des Stresshormonsystems des Opfers, die letztlich zu psychiatrischen Erkrankungen führen kann. Entscheidend für Opfer von Kindesmisshandlung ist jedoch, dass die stressinduzierten epigenetischen Veränderungen nur auftreten können, wenn ihre DNA eine spezifische Sequenz hat. "

Diese aktuelle Studie verbessert unser Verständnis von psychiatrischen Erkrankungen, die durch die Interaktion von Umweltfaktoren und genetischen Faktoren entstehen. Die Ergebnisse werden dazu beitragen, die Behandlung speziell für Patienten, die in der frühen Kindheit einem Trauma ausgesetzt waren, maßzuschneidern und dadurch ihr Erkrankungsrisiko stark zu erhöhen.